Rudi Ball

Eishockeyspieler

geboren am 22. Juni 1911 in Berlin – gestorben September 1975 in Johannesburg (Südafrika)

  • Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1932
  • Vizeweltmeister und Europameister 1930
  • dreimal Gewinner des Spengler Cups
  • achtmal Deutscher Meister mit dem Berliner Schlittschuh-Club
  • Südafrikanischer Meister mit Wolves IHC 1951

Rudi Ball ist eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten in der deutschen Eishockey-Geschichte. Der 1911 in Berlin geborene Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns und einer christlichen Mutter gehört in den 1920er und 1930er Jahren zu den überragenden Spielern im europäischen Eishockey. Nach Jugendjahren beim SC Brandenburg spielt er ab 1928 gemeinsam mit seinen Brüdern Gerhard und Heinz für den renommierten Berliner Schlittschuh-Club (BSC). Die Ball-Brüder führen das Hauptstadt-Team zwischen 1928 und 1933 zu sechs Deutschen Meisterschaften in Serie. Der nur 1,63 Meter kleine, technisch unglaublich versierte Rudi Ball wird zu einer Schlüsselfigur in der Nationalmannschaft: 1930 gewinnt er mit Deutschland die Europa- und die Vizeweltmeisterschaft. Zwei Jahre später kehrt er von den Olympischen Spielen in Lake Placid mit einer Bronzemedaille zurück.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten scheint die Karriere der Balls im deutschen Eishockey vorbei zu sein: Ende 1933 wechseln die Brüder zum EHC St. Moritz in die Schweiz und ein Jahr später weiter zu den Diavoli Rossoneri nach Mailand. Rudi Ball zählt auch hier zu den unbestrittenen Stars und führt sein Team zu zwei Siegen im Spengler Cup, dem wichtigsten Turnier im europäischen Vereins-Eishockey.

Diese Erfolge bleiben auch den neuen Führern im deutschen Sport nicht verborgen. Anfang 1936 wird Ball als einziger Athlet jüdischer Abstammung in den deutschen Kader für die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen berufen. Teamkapitän Gustav Jaenecke soll seine Teilnahme von einer Nominierung Balls abhängig gemacht haben. Ball wird im Olympia-Turnier regelmäßig eingesetzt, verletzt sich dann aber und muss von der Bank aus zusehen, wie sein Team den fünften Platz erreicht.

1936 nimmt Rudi Ball ein Angebot seines alten Vereins an und kehrt zum BSC zurück. Als sogenannter „Halbjude“ und ehemaliger Olympionike bleibt er zunächst von der Verfolgung ausgenommen. 1936 und 1937 gewinnt er sogar zwei weitere Deutsche Meisterschaften mit dem BSC. Erst 1943 erwirkt das Propagandaministerium seine „Entfernung aus dem deutschen Sport“.

Nur anderthalb Jahre nach Kriegsende steht der inzwischen 35-jährige Routinier wieder auf dem Eis. Ausgerechnet im Berliner Sportpalast, in dem Joseph Goebbels die Deutschen noch vier Jahre zuvor in einer Propagandarede auf den „Totalen Krieg“ eingeschworen hatte, zieht nun wieder die Eishockey-Legende Rudi Ball die Massen in ihren Bann. Im ersten Spiel nach dem Krieg feiert er mit fünf Toren eine triumphale Rückkehr.

Trotz dieser Erfolge entschließen sich Rudi und Gerhard Ball zwei Jahre später, ihrem bereits 1935 emigrierten Bruder Heinz nach Südafrika zu folgen. In seiner neuen Heimat lässt Rudi Ball seine große Eishockeykarriere ausklingen und baut sich in den 1950er Jahren als Geschäftsmann ein neues Leben auf. Er stirbt 1975 mit 64 Jahren in Johannesburg.

Henry Wahlig/Berno Bahro

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Video Rudi Ball, 1:14 min (© Bundesarchiv Filmarchiv)